Die leidigen Fersengangstudien – Ein Gedanke

Hach ja die lieben Studien :)
Ich bin ja bekanntlich ein großer Fan davon, wenn sich Ottonormalbeweger und akademische Schreibtischtäter in rein theoretischen Arbeiten unter rein fiktiven Rahmenbedingungen mit von vorn herein auf ein Bewegungsmuster geeichten Versuchspersonen – gerne auch Ottonormalbeweger – darüber äußern, wie etwas geht und wie nicht.

Nicht, dass ich Wissenschaft ablehne, ganz im Gegenteil. Ich bin nur der Auffassung, dass eine „Studie“ noch lange kein Gesetz und erst recht nicht zwingend „Die Wahrheit“ ist. Nur beiläufig sei erwähnt, dass Hummeln wissenschaftlich gesehen nicht fliegen können, Faszien über Jahrhunderte als bedeutungslos wegpräpariert wurden und man heute im Jahr 2018 ein neues Organ im Menschen entdeckt zu haben glaubt. Nicht auslassen möchte ich tausende Folgen von Popeye dem Seemann, die gänzlich umsonst produziert worden sind, nachdem man festgestellt hat, dass Spinat überhaupt nicht so viel Eisen enthält, wie man jahrzehntelang aufgrund eines Kommafehlers wissenschaftlich geglaubt hatte. Hach ja, die lieben Studien: Einfach unfehlbar.

Nun gibt es wieder eine – eine Studie, die besagt, dass das Fersengehen DAS Gangmuster überhaupt ist. Weil es energiesparender ist. Das Vorfußgehen darf es deshalb leider nicht geben. Blöd nur, dass wir so oder so beim Rückwärts- oder Seitwärtsgehen unseren Fuß zuerst auf dem Vorfuß aufsetzen. Dass dies auch beim Laufen, Treppensteigen (hoch und runter), Springen oder Tänzeln so ist, lassen wir einfach mal außen vor. Auch auf der Stelle gehend benutzen wir wie von selbst……ach blöd, den Vorfuß…..naja das passt wohl irgendwie nicht so ganz.

Natürlich mag es sein, dass es auf ebenem, bekanntem und relativ gefahrlosen Boden energiesparender ist, über die Ferse zu gehen. Jedoch geben dann im Gespräch auch hartgesottene Barfuß-Coaches zu, dass im Zweifel Verletzungsfreiheit vor Energiesparen kommt. Wer also barfuß querfeldein durch den Wald geht, wird sich vor Ästen, Steinen und sonstigen Hindernissen in Acht nehmen und recht häufig im Vorfußgang unterwegs sein.

Menschheitsgeschichtlich wird es darüber hinaus sehr sinnvoll gewesen sein, sich leise in der Natur zu bewegen. Entweder um Beute zu machen oder um nicht selbst zur Beute zu werden. Denn wer will schon, dass ein Raubtier neugierig nachsieht, was das für Geräusche sind, wenn man selbst noch auf der Speisekarte steht. Auch hier bewegen sich indigene Völker, moderne Jäger oder Naturbeobachter allzuoft im Vorfußgang. (siehe Video)

Das Bewegungsmuster „Gehen“ ist also überaus komplex, weil nicht zuletzt die Rahmenbedingungen komplex sind. Wer da Leute verkabelt über ein Laufband jagt oder motorisch degenerierte Büromenschen ihr altbekanntes Bewegungsmuster mit einem neu erlernten vergleichen lässt, könnte mitunter zu sehr theoretischen Ergebnissen kommen.

Aber hey :-) wer wird schon der eigenen Körperwahrnehmung glauben, wenn es doch Studien gibt?
(das Schöne ist, dass es alle zwei Jahre eine neue gibt, die wieder genau das Gegenteil sagt) :)

Vorfußgehen oder Ballengang könntest du hier lernen (klicken). Aber dann müsstest du dich auf ein seeeeeehr gewagtes Experiment einlassen. Abseits von Studien.

;)

P.S.: Auf dem Sommerfest eines Minimalschuherstellers hatte ich einmal das Vergnügen einen „Wissenschaftler“ kennenzulernen, der anhand der über eine Einlegesohle gemessenen Daten den Leuten auf den Kopf sagen konnte, wo sie welche Beschwerden im Körper hätten und mit welcher Einlage sie diese loswerden könnten. Erstaunlich für mich: Die Einlegesohle mit Sensoren ging nur von der Ferse bis zum Mittelfuß. Über eine Messdauer von verlangten 10 Minuten ging ich meinen allerschicksten Ballengang. Wirklich wie im Bilderbuch. Beim Auslesen der Daten warf mir der „Experte“ dann an den Kopf, dass meine Werte in einem Bereich viel so hoch wären und dies bedeuten würde, dass ich unheimlich hart über die Ferse aufsetzen würde :-) Auf die Antwort, dass ich eben genau das ja bewusst nicht gemacht habe, wusste der „Experte“ dann auch nicht weiter.
Es war aber ein optisch tolles Programm und die Leute standen begeistert vor dem großen Flatscreen. ;-)
Technik die begeistert. Bei genügend Teilnehmern wäre sicher auch eine tolle Studie draus geworden ;-)

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