„Use it or lose it“ oder „Wie dir Hilfe schadet“

„Use it or lose it“ oder zu Deutsch „Nutze es oder verliere es“ ist eine Redewendung, die im Kraftsport häufig zur Verwendung kommt. Abgekürzt bedeutet es, dass du Muskelkraft oder z.B. Muskelvolumen (meist geht es ja um die Optik) verlierst, wenn du aufhörst bestimmte Muskeln zu trainieren. Das kennen viele: Top-Fit vor dem Urlaub und nach 3 Wochen Faulenzen ist nichts mehr wie vorher :-)

„Use it or lose it“ ist aber auch in meinem Metier ein sehr zutreffender Spruch. Denn auch Bewegungsspielraum und Flexibilität verschwindet, wenn wir sie nicht nutzen. Um nicht zu sehr abzuschweifen, bringe ich die Ursache kurz auf den Punkt. Dein Körper lebt noch immer im Steinzeitmodus. Jede Form von überflüssiger Energieverschwendung kann das Zünglein an der Waage sein, wenn die nächste Dürre kommt, und entscheiden, ob du überlebst oder nicht. Zugegeben, in unserer modernen Welt klingt das etwas dramatisch aber das Konzept von Supermärkten und Kühlschränken ist tatsächlich noch nicht in unserer DNS angekommen. Und tatsächlich ist dieses Szenario anderenorts ja noch immer überaus real.

Das Vorhalten von Muskulatur kostet Energie. Sie wollen aufgebaut werden, das kostet Energie und „Rohstoffe“. Sie wollen unterhalten werden, was ebenfalls Energie kostet, die auch bei relativer Passivität noch im großen Maße als Wärme abgegeben wird. Viel Muskeln haben ist also Luxus (Energietechnisch gesehen). Auch Flexibilität und Bewegungsspielraum wollen „gewartet“ werden. Sollen Faszien wunderbar gleiten, dann muss ich sie bewegen, damit sich kein Fuzz bildet. Bildet er sich moderat, dann kann ich durch adäquates Bewegen dafür sorgen, dass er sich wieder löst. Lasse ich das zu lange schleifen, sieht es übel aus.

Stell dir folgendes Bild vor: Auf einem Bahngleis fährt alle 20 Minuten ein Zug. Sollte hier Gras wachsen, wird es ziemlich schnell durch den Fahrtwind ausgerissen oder durch die Räder zerrupft. Keine Chance für echten Bewuchs. Lassen wir die Schiene einige Monate ungenutzt, dann hat sich ein Gras und Unkrautteppich gebildet. Die Schienen wachsen zu. Fahre ich jedoch jetzt mehrmals darüber, stellt der Bewuchs für die Lok nicht nur kein Problem dar, nach einiger Zeit wird der Fahrtwind auch den Bewuchs wieder gestutzt haben. Warte ich jedoch länger, dann sprießen kleine Bäumchen und irgendwann Bäume auf den Schienen. Fahren wir jetzt Lok, kommt es zu Beschädigungen. Ein Holzfäller muss her und mir gefällt der Gedanke, dass ich irgendwie das menschliche Pendant zum Holzfäller in dieser Geschichte für deinen Körper bin.

„Use it or lose it“ scheint aber in unserer Gesellschaft nicht angekommen zu sein, denn wir versuchen unser Leben immer komfortabler zu machen und uns immer mehr „Beschwernis“ abzunehmen. Während niemand sich wundert, dass nach 3 Wochen Urlaub nur noch die Hälfte der Klimmzüge machbar sind und die Kondition im Keller ist, scheint das in anderen Bereichen etwas anderes zu sein.

Wir stecken unsere Füße in Schuhe, die den Aufprall auf den Boden dämpfen, und wundern uns, dass der Fuß statt vorsichtig über den Ballen zu landen über die Ferse platscht und wir einen Fersensporn haben. Wir schneidern Schuhe zu eng und gerne auch über den Knöchel und wundern uns, dass wir einen Hallux Valgus und bei jedem kleinen Umknicken einen verstauchten Knöchel haben. Wenn wir einen Plattfuß haben, dann meinen wir, dass Einlagen das wohl korrigieren werden, und wenn unsere Gelenke zu schwach sind, dann schnallen wir eine Bandage darum, wundern uns aber, dass das Gelenk immer schwächer wird. Wir fahren jeden Meter mit dem Auto und wundern uns, dass unser Herzkreislaufsystem im Eimer ist oder glauben 10 Stunden Nichtstun durch 2 Stunden Überbelastung wieder ausgleichen zu können. Verrückte Welt.

Machen wir es an der Bandage deutlich: Wenn mein Bindegewebe durch eine Verletzung geschädigt ist oder generell schwach, dann muss ich ihm Zeit geben auszuheilen oder es durch langsame Belastungssteigerung aufbauen. Eine Bandage stabilisiert zwar, sorgt aber gleichzeitig dafür, dass weniger Reize beim Bindegewebe ankommen. Der Körper schließt daraus „Aufbau nicht nötig“. Je mehr ich an Reizen und Stabilisierung abnehme, desto mehr wird der Körper seine eigenen Stabilisierungsmaßnahmen abbauen. „Use it or lose it“. Aus eben diesem Grund wird dir auch eine Einlage nie dabei helfen ein Fußgewölbe zu entwickeln und je mehr du deinen Fuß „dämpfst“ und „schützt“ desto schwächer wird er.

Das gleiche Konzept gilt für unseren gesamten Körper. Während wir als Kinder auf dem Spielplatz noch 3D Bewegen betrieben haben, verbringen Erwachsene ihre Zeit an ergonomischen Arbeitsplätzen. „Ergonomisch“ heißt allerdings vielfach „So wenig bewegen wie möglich“. Statt dem Körper zu helfen sich selbst zu organisieren und Lehnen komplett wegzulassen, verkauft man dir ergonomische Stühle, in die du dich so toll rein lümmeln kannst, dass deine Rumpfmuskulatur überhaupt keine Aktivität mehr hat. Und alles steht natürlich so wunderbar greifbar, dass du 8 Stunden auf deinem Hintern sitzen kannst ohne aufstehen zu müssen, um zum Kopierer zu gehen. Gelobt sei deine Blase, die dich zwingt, wenigstens ein paar Mal am Tag aufzustehen. Wobei ich mir vorstellen kann, dass der eine oder andere Manager sich bereits den Urinbeutel wünscht, um auch noch diese Zeit einzusparen und sein Unternehmen „produktiver“ zu machen. Vielleicht etwas überspitzt dargestellt, aber du verstehst meinen Standpunkt. Je mehr Hilfe unser Körper hat, desto weniger macht er selbst. Und das kann schlimme Folgen haben.

Ich möchte mich hier einmal als Trendforscher betätigen und hier schon einmal einen Trend heraufbeschwören, den wir in unserer immer älter werdenden Gesellschaft sicher in den nächsten 5 Jahren vorgestellt bekommen.

Bildquelle ZDF http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2321856/aussendienst-im-Roboteranzug-in-Japan#/beitrag/video/2321856/aussendienst-im-Roboteranzug-in-Japan

Bildquelle ZDF
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2321856/aussendienst-im-Roboteranzug-in-Japan#/beitrag/video/2321856/aussendienst-im-Roboteranzug-in-Japan

Dieser Trend oder besser diese Erfindung kommt aus Japan. Japan ist wahrscheinlich die Gesellschaft mit der im Schnitt ältesten Bevölkerung. Wenig Nachwuchs und rigide Einwanderungsgesetze sorgen dafür, dass die Japaner oft bis ins hohe Alter schuften dürfen. Gerade bei körperlichen Tätigkeiten, zu denen es keine reine Maschinenalternative gibt, kommt es zu Problemen. Für alle, die in unwegsamem Gelände heben müssen aber einen „schwachen“ Rücken haben, wurde jetzt eine Art Roboteranzug erfunden. Dieser übernimmt die „Aufrichtefunktion“ für den Träger. Was auf den ersten Blick wie eine gute Idee erscheint, ist mittelfristig für den Körper der GAU („Supergau“ gibt es ja nicht).

Statt diesen Menschen zu zeigen wie man aus dem Körper hebt ohne den Rücken allzu stark zu belasten oder einfach weniger schwer heben lässt, muss der Mensch sich an die industriellen Vorgaben anpassen. Wieder einmal. Da macht es auch nichts, wenn der Roboteranzug her muss. (Irgendwie sehe ich den Urinbeutel jetzt doch näher kommen). „Use it or lose it“ Welche Muskeln werden sich wohl zurückbilden, wenn der Anzug diese Aktivität übernimmt? Eine Milchmädchenrechnung. Für die älteren Damen und Herren wird so körperlich nichts besser – im Gegenteil. Lediglich der Arbeitgeber freut sich über gleichbleibende Leistung. (Solche kraftverstärkenden Anzüge werden vom Militär übrigens schon lange getestet. Man kann also davon ausgehen, dass die Entwicklung schon deutlich weiter ist)

Hier gehts zum Beitrag über den Roboteranzug
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2321856/aussendienst-im-Roboteranzug-in-Japan#/beitrag/video/2321856/aussendienst-im-Roboteranzug-in-Japan

Ich weiß nicht, ob du den Film Wall-E kennst. Genau, der mit dem kleinen Roboter, der die verlassene Erde aufräumt. Die Menschheit fliegt währenddessen in einem Raumschiff durchs All und bekommt alles von Maschinen abgenommen. Was wie Luxus klingt führt selbst im Kinderfilm dazu, dass alle Menschen vollkommen übergewichtig, unfähig sich zu bewegen und auch leicht debil sind. Wenn ich Berichte wie den des ZDFs über neue „Erfindungen“ die uns das Leben leichter machen sehe, dann scheint Wall-E in meinen Augen fast schon ein prophetischer Film zu sein. :)

In diesem Sinne: „Use it or lose it!” ES ist deine Entscheidung, dein Leben.

Am besten fängst du gleich hiermit an ;-)

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=pC2LplHOmNA

 

P.S.: Update! Hier sind noch einmal ein paar Videos zum Thema, die zeigen, wie weit der Stand der Technik wirklich ist. Was für den pathologischen Bereich – also beispielsweise die Möglichkeiten für Menschen, die Körperteile nicht mehr nutzen können – fantastisch ist, ist eine ziemlich schreckliche Entwicklung, wenn es schlicht um „Verbesserungen“ zum Beispiel am Arbeitsplatz geht.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=FpGrjsfA2Ko
Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=eU897nPqUCM
Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=2Ysb-Oko3Bg
Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=4Y1mSltcJJ4

 

Was ist das „Tensegrity-Modell“?…Und was hat das mit Faszien zu tun?

Tensegrity FAszien

In unserer Reihe „Kompliziertes einfach erklärt“ hat sich ES-Practitioner Sebastian Nowak für dich an das Thema „Tensegrity“ gewagt. Das Tensegrity-Modell von Richard Buckminster Fuller ist ein Modell aus der Architektur, das jedoch große Bedeutung für das Verständnis useres Körpers hat. Denn tatsächlich bist auch du ein „Tensegrity-Modell“. Was das alles bedeutet? Was das mit Faszien und Faszientherapie zu tun hat? All das erklärt dir Sebastian in den nächsten 12 Minuten in diesem Video. Viel Spaß damit.

 

P.S.: Für die lieben Kollegen. Sebastian fertigt diese coolen Modelle auf Anfrage an. ;-)

ES in akademischer Mission

Dirk Beckmann Aljoscha Dickmann

Im November 2014 erreichte mich eine sehr interessante Nachricht per Mail. Aljoscha Dickmann, der Justus-Liebig-Universität in Gießen den Bachelor-Studiengang „Bewegung und Gesundheit“ studiert, erkundigte sich bei mir nach den Möglichkeiten eines zweiwöchigen Praktikums. Leider ist mein Praxisalltag mit 1 zu 1 Sitzungen, Coachings und Einzelunterricht, Blog- und Buchschreiben, Videos und Unterrichtsmaterialien erstellen nicht wirklich praktikabel für ein Praktikum. Daher musste ich leider schweren Herzens ablehnen.

Da ich aber selbst einmal Student war und weiß wie es ist, wenn man lernen will aber ständig nur eine Fahrkarte bekommt, habe ich Aljoscha angeboten, mir einmal einen Tag Zeit für ihn zu nehmen.

Gestern war es dann soweit. Ich durfte einen sehr interessierten jungen Mann begrüßen, der bereits viel theoretisches Wissen aus dem Studium mitbrachte und begierig nach Praxis war. Wir verbrachten also den Tag mit ES-Exercises, ES-Body Sitzung und vielen konzeptionellen Dingen rund um funktionales Bewegen, Lernen und Faszien. Normalerweise ist so ein ganzer Tag mit mir zwar lohnenswert aber doch recht kostenintensiv, wie der eine oder andere meiner Klienten sicher zu berichten weiß. :o) In Aljoschas Fall habe ich aber natürlich eine Ausnahme gemacht und ihm meine Zeit geschenkt. Ich freue mich, wenn es in Zukunft noch mehr so sehr an Faszien und Bewegung interessierte junge Menschen gibt.

Und außerdem: Ich finde jeder sollte das neue Jahr mit einer guten Tat beginnen.

P.S.: Aljoscha hat mir versprochen in den kommenden Wochen einmal einen kleinen Bereicht des Tages aus seinen Augen nachzureichen, den ich dann auch hier einstellen werde.

Was sind Faszien und wie sehen sie aus?

Faszien

„Was sind Faszien und wie sehen diese Dinger eigentlich aus?“ So oder so ähnlich klingen die Fragen vieler Klienten, Interessenten aber auch Fach-Kollegen, die durch den aktuellen Faszien-Trend auf dieses faszinierende Medium aufmerksam geworden sind.

Bereits vor einer Woche haben wir ein kurzes Erklärungsvideo in unseren YouTube-Kanal eingestellt, der sich diesem etwas „medizinischem“ Thema auf ganz einfache Art und Weise nähert. Nachdem wir das Video in einigen Foren vorgestellt haben, schwappten uns förmlich Begeisterungsstürme entgegen. Damit hatten wir wahrlich nicht gerechnet. Als kurz darauf Deutschlands Faszien-Forschungs-Eminenz Dr. Robert Schleip seinen sehr positiven Kommentar unter unserem Clip verewigte, waren wir dann noch mehr „baff“ :)

Robert Schleip Faszien

Dieser Anfrage haben wir uns natürlich angenommen. Ab heute ist das Video „For our international friends“ auch mit englischen Untertiteln verfügbar. So „What is fascia?“ everybody :) Take a look!

Viel Spaß mit diesem Video

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=l5hNqpWxSpo

 

P.S.: Kostenfreies E-Book gefällig? Dann klick doch einfach hier.

Hallo und herzlich willkommen im neuen ES-Blog

Hallo und herzlich willkommen im neuen ES-Blog.

Von jetzt an findest du hier alle gewohnt interessanten Infos rund um die faszinierende Welt von ES-Equilibrium State.

Zum Beispiel interessante Artikel oder Videos rund um das Thema Faszien und Faszientherapie, wie dieses sehr anschauliche Video zum Thema „Was sind Faszien und wie sehen sie aus?“

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=l5hNqpWxSpo

Natürlich dürfen die ES-Exercises nicht fehlen. Diese einfachen aber sehr effektiven Übungen helfen Klienten und natürlich auch dir, das eigene Bewegen deutlich zu verbessern und Bewegungseinschränkungen und Rückenschmerzen vorzubeugen. Ein schönes Beispiel für eine solche Übung ist der „Propeller“.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=JAvLC7AnsbU

Auch unsere Klienten dürfen hier zu Wort kommen. In regelmäßigen Abständen findest du hier Testimonials von Menschen, die ES gemacht haben, wie zum Beispiel „TV-Kommisar“ Bernhard Kuhnt.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=J-gqbLsD3f0

Gerade für Kollegen spannend sind natürlich Informationen zu den Aktivitäten, die sozusagen hinter den Kulissen stattfinden. Ein Beispiel dafür ist die ES-Ausbildungsserie, über die wir hier im Blog regelmäßig informieren, ebenso wie über Aktivitäten unserer Practitioner.

FAszientherapie ES Ausbildung 1

Auch Aktivitäten, die vorher in unserem Ballengang platziert waren, werden von jetzt an hier veröffentlicht. Neben Informationen rund um das funktionale Bewegungsmuster „Ballengang“ werden natürlich auch die beliebten Barfußschuh- oder Minimalschuh-Tests zukünftig in diesem Blog zu finden sein.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=CoTnXWjO8R0

Das sind natürlich nur einige Beispiele für das, was dich in Zukunft hier erwartet. Ich freue mich, wenn du regelmäßig vorbei schaust und wir dich mit neuen Inhalten versorgen dürfen, die dir dabei helfen, deinen Körper und Geist gesund zu halten und ins Gleichgewicht zu bringen. In den Equilibrium State eben ;)

 

P.S.:

Falls du neu bist oder die alten Blogs noch nicht auswendig gelernt hast ;-) keine Sorge: Beide Blogs bleiben auch weiterhin für dich online.

Den alten ES-Blog findest du hier

Der Ballengang-Blog ist weiterhin hier zu finden

 

Mit besten Grüßen aus Düsseldorf

Dirk BEckmann Faszien

Hier finden Sie unsere aktuellen Termine.

© EQUILIBRIUM STATE | Dirk Beckmann | Lindemannstraße 7 | 40237 Düsseldorf | Impressum | Datenschutz